Zhanzhuang Shili Mocabu Fali Tuishou Sanshou

Was ist Tuishou?

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Tuishou - Pushing Hands
Tuishou bedeutet wörtlich "schiebende Hände" und ist hier im Westen besser unter dem englischen Namen "Pushing Hands" bekannt. Es beinhaltet die Übungen zum Testen der eigenen Kraft in der interaktion mit einem Partner. Es ist auch eine Test-Methode um festzustellen, wie gut die Kampfkunstfähigkeiten unseres Trainingspartners sind. Besonders beim Taijiquan ist es eine sehr populäre Trainingsmethode.

Das Tuishou in der Version des Yiquan ist eine konkrete Anwendungsmethode von Zhanzhuang, Shili und Mocabu. Es hilft enorm beim Sanshou (Freikampf-Training), besonders beim Nahkampf. In der Praxis ist es nicht zu vermeiden, dass beide Kontrahenten, sei es im Training oder in einer realen Auseinandersetzung, Kontakt haben. Beim Nahkampf macht man in der Regel Ringen, Heben, Schlagen, Werfen etc. Beim Yiquan wird solche verschiedene Techniken nicht vom Einzelfall zum Einzelfall gelernt, weil der Wechsel zwischen Techniken wesentlich langsamer als der Wechsel zwischen den Kraftrichtungen. Die Kontaktmöglichkeiten und Berührungspunkte sind dabei sehr vielfältig. Beide Kontrahenten oder Partner arbeiten beim Kontakt mit verschiedenen Druckrichtungen, in unterschiedlicher und meist wechselnder Intensität, um in der Auseinandersetzung in eine vorteilhaftere Position gegenüber dem Gegner oder Partner zu kommen. Das müssen wir verstehen lernen und genau studieren, wie wir mit dem Kontakt und den Druckverhältnissen im Kontaktmoment umgehen können. Das Tuishou in der Ausprägung des Yiquan geht unmittelbar von praktischen Situationen aus, um diese realistisch zu trainieren. Es handelt sich um einen wichtigen Teil der Anwendung des Yiquan und der inneren Kraft. Deshalb dürfen wir im Gegensatz zu den Methoden in vielen Kampfkunst-Stilen nicht zu formalistisch üben und auch nicht vorher festgelegte Partnerformen mit exakt definierten Regeln trainieren. Beim Tuishou des Yiquan müssen wir die leeren und vollen Haltungen und die starken und schwachen Druckverhältnisse spüren und verstehen lernen, um die Kraftrichtung des Gegners zu erkennen und diesen in unterschiedlichen Situationen kontrollieren zu können. Dadurch sind immer wir im Vorteil und beherrschen die Situation.

Im Vergleich mit dem Sanshou ist das Tuishou wesentlich schwieriger und komplizierter, aber das Tuishou dient letztlich dem Ziel des Sanshou. Beim Freikamp sollten wir Tuishou und Sanshou kombinieren und beide gegenseitig ergänzen. Dadurch können wir eine hohe Stufe in der Kampfkunst erreichen, andernfalls sind wir nicht mehr als geschickte Schläger. Durch die Kombination von Tuishou und Sanshou können wir viel mehr automatisch reagieren und in unserer Anwendung tun, was zu tun ist, um die Situation zu lösen. Wir können eine Auseinandersetzung durch den Kontakt mit Tuishou-Fähigkeiten gewinnen, indem wir unseren Gegner kontrollieren und seine Mitte beherrschen oder ohne vorherigen Kontakt direkte Treffer anbringen. Solche Reaktion müssen wir automatisieren, um in jeder Situation frei und angemessen handeln zu können. Erlernte Techniken und Bewegungsmuster behindern uns hier in der Regel. Die Druckverhältnisse bestimmen jederzeit unsere Aktionen und Gegenreaktionen.

Das Tuishou ist eine gute Methode, um die Qualität unserer Übungen im Zhanzhuang, Shili und Mocabu zu testen. Dadurch erhalten wir Aufschluss darüber, ob wir richtig trainiert haben oder nicht. Es hilft uns auch, Yiquan besser zu verstehen und anwenden zu können. Es ist darüber hinaus auch eine gute Methode, um die innere Kraft zu spüren und zu steuern und sie im richtigen Moment explodieren lassen zu können. Außerdem beinhaltet das Tuishou wenige gefährlichen Inhalte, d.h. man kann mit mehr Sicherheit und minimalem Verletzungsrisiko trainieren. Wir lernen durch die Kontrolle unserer Kraft, unseres Gleichgewichts und unserer Bewegungskoordination bestimmte Unfälle im Alltag zu vermeiden. Obwohl das Tuishou-Training das Sanshou-Training nicht ersetzen kann, wird Tuishou oft als ein guter und nützlichen Ersatz für den Freikampf im Training verwendet.

Ein bekanntes Sprichwort in der chinesischen Kampfkunst lautet: "Schlagen ist einfacher als Werfen, Werfen ist einfacher als Kontrollieren". Beim Schlagen kann man den Gegner leicht treffen, wenn die eigenen Fähigkeiten etwas überlegen sind. Bei einem erfolgreichen und sauberen Werfen des Gegners unterscheiden sich die Fähigkeiten und körperlichen Voraussetzungen meist erheblich und man kann leicht Probleme bekommen, wenn die eigenen Fähigkeiten nicht perfekt sind. Aber wenn eine Partei den Gegner kontrolliert und der Gegner immer ein Problem mit seinem Gleichgewicht hat und ständig sein eigenes Gleichgewicht versuchen muss zu behalten oder wiederzufinden und dabei die ganze Zeit das Gefühl hat, wie auf einem schwankenden Boot zu stehen, dann zeigen sich wirkliche Kampfkunstfähigkeiten. Ein guter Yiquan-Meister kann im Moment des Kontakts sofort den Gegner über dessen Gleichgewicht kontrollieren und ab diesem Moment hat der Gegner sofort schon ein wackeliges Gefühl, als ob man ihm den Boden unter den Füssen entzieht. Dadurch ist er nicht mehr in der Lage zu agieren. Er ist nur mit sich selbst und seinem Gleichgewicht beschäftigt. Für Außenstehende ist das in den Körperbewegungen kaum wahrnehmbar und macht einen unspektakulären Eindruck, da niemand verprügelt oder mit Hebel- bzw. Wurftechniken besiegt wird. Dazu muss es auf dieser Ebene auch gar nicht mehr kommen, da der Gegner keine Chance mehr hat. Großen Meistern wird nachgesagt, dass sie die Fähigkeiten ihres Gegenübers schon bei einem simplen Händeschütteln erkennen können. Dazu braucht es selbstverständlich hohe Fähigkeiten und viel Erfahrung. Wir müssen aber bereits von Anfang an das Kontrollieren des Gegners erlernen statt einfach nur mit roher Muskelkraft unter Einsatz der Körpermasse zu "pushen".